Wendepunkt Corona – Teil 3

Andreas Marx Verkehr + Umwelt

Wie kann eine Lösung aussehen?

Einfache Lösungen gibt es nicht. Aber ein wirksamer Hebel ist die Höhe der Transportkosten. Je höher die Transportkosten, desto weniger lohnen sich die damit beabsichtigten Warenbewegungen und -ströme. Als verursachungsgerechter Ansatz können die sogenannten externen Verkehrskosten dienen. Dabei wird der Verkehr konsequent mit der Höhe der Schäden belastet, die der Gesellschaft durch die Beeinträchtigung der Umwelt und den Verbrauch der freien Güter[1], wie z.B. Luft und Wasser entstehen. 

a)  Externe Kosten des Verkehrs

Externe Effekte liegen vor, wenn von Aktivitäten eines Wirtschaftssubjektes (Produktion oder Konsum) positive oder negative Einflüsse auf andere Wirtschaftssubjekte ausgehen, ohne dass Gegenleistungen (Bezahlungen oder Entschädigung) erfolgen. Externe Effekte führen dazu, dass die vom Konsumenten oder Produzenten zu tragenden Kosten (die internen oder privaten Kosten) nicht den gesamten volkswirtschaftlichen Kosten (den sozialen Kosten) entsprechen müssen. Handelt es sich um negative Effekte, so wird die Differenz zwischen den tatsächlichen sozialen Kosten und den internen Kosten als externe Kosten bezeichnet. Da diese nicht in den Preisen enthalten sind und somit angenommen wird, dass sie weder in Produktions- noch in Konsumentscheidungen eingehen, kommt es zu Fehlallokationen, d.h. einem zu hohen Verbrauch eines oder mehrerer Kostenfaktoren [2].

            Interne Kosten + externe Kosten = Gesamtkosten

Unter „externen Kosten des Verkehrs“ versteht man Kosten, die durch die Mobilitätsteilnehmenden verursacht, jedoch nicht von ihnen selber getragen werden. 


[1] Freie Güter sind das Gegenstück zu wirtschaftlichen Gütern und dadurch gekennzeichnet, dass sie in großen, manchmal nahezu unverbrauchbaren Mengen vorhanden sind.  

[2] „Grenz- und Gesamtkosten durch Luftschadstoffe und Lärm in Deutschland“ Stephan Andreas Schmid, 2005 

Externe Kosten des Verkehrs in der Europäischen Union (EU28) im Jahr 2016 nach Kostenart und Verkehrsträger | Accidents = Verkehrsunfälle; Congestion = Stau; Climate = Klima; Air Pollution = Luftverschmutzung; Noise = Lärm; Well-to-Tank = Energiebereitstellung; Habitat damage = Habitatschäden; Road (excl. congestion) = Straßenverkehr (ohne Staukosten, da diese nur für den Straßenverkehr und Überlastungskosten nicht für andere Verkehrsträger erhoben wurden); Maritime = Seeverkehr (ausgewählte Häfen als Grundlage, hochgerechnet auf den Gesamt-Seeverkehr); Aviation = Luftverkehr (ausgewählte Flughäfen als Grundlage, hochgerechnet auf den Gesamt-Luftverkehr); Rail = Schienenverkehr; Inland Waterways = Binnenschifffahrt – Grafik: EU-Kommission 2018: Multimodal Sustainable Transport: which role for the internalisation of external costs?. Preliminary results of the study: “Sustainable Transport Infrastructure Charging and Internalisation of Transport Externalities”. Brüssel. 17.12.2018, S. 3 https://www.zukunft-mobilitaet.net/168934/analyse/externe-kosten-des-verkehrs-eu-2016-europaeische-union-nach-verkehrstraegern/

In absoluten Zahlen verursacht die Straße mehr als drei Viertel der externen Kosten des Verkehrs. Die im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern große Verkehrsmenge trägt zu diesem Ergebnis bei. Der Großteil der absoluten externen Kosten des Verkehrsträgers Straße setzt sich aus Umwelt-, Unfall- und Staukosten zusammen (letztere sind in den der Grafik zugrundliegenden Daten nicht enthalten). In der Seeschifffahrt und dem Luftverkehr sind die Umweltkosten (Luftverschmutzung und Klimawandel) Hauptbestandteil der absoluten externen Kosten. Im Vergleich dazu sind die absoluten externen Kosten der Binnenschifffahrt und des Schienenverkehrs deutlich geringer.

Externe Kosten des Verkehrs nach Verkehrsträger in absoluten Zahlen (EU28 im Jahr 2016); Staukosten im Straßenbereich sind nicht dargestellt, da Überlastungskosten für die anderen Verkehrsträger nicht vorliegen | Car = Pkw; Bus/Coach = Bus; MC = Motorräder; LCV = leichte Nutzfahrzeuge; HGV = schwere Nutzfahrzeuge; Rail = Schienenverkehr; Aviation = Luftverkehr; IWT = Binnenschifffahrt; Maritime = Seeverkehr – Grafik: EU-Kommission 2018: Multimodal Sustainable Transport: which role for the internalisation of external costs?. Preliminary results of the study: “Sustainable Transport Infrastructure Charging and Internalisation of Transport Externalities”. Brüssel. 17.12.2018, S. 4
  1. Schadenskosten- und Vermeidungskosten

Der Verkehrssektor ist das schwarze Schaf in Sachen Klimaschutz. Vermeiden, verlagern und verringern sind die Herausforderungen, mit dem der Verkehr einen substanziellen Beitrag zur Emissionsminderung leisten kann. Dies sollte dadurch erreicht werden, indem jeder Verkehrsteilnehmer die von ihm verursachten Umweltschäden monetär ausgleichen muss.

Das Deutsche Umweltbundesamt hat zur Ermittlung und Umlage der Folgekosten der Verkehrsmittel eine Methodenkonvention zur Ermittlung von Umweltkosten erarbeitet, die in der 3. Auflage aktuelle Kostenansätze enthält. Diese bezieht sich nur auf den Binnenverkehr in Deutschland. Die Werte für den internationalen Luft- und Seeschifffahrtsverkehr müssten noch ermittelt werden.  https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-02-11_methodenkonvention-3-0_kostensaetze_korr.pdf

Im Klimabereich wird mit dem Schadenskostenansatz die Höhe der Schäden geschätzt, die der Gesellschaft durch Treibhausgasemissionen und dem daraus resultierenden Klimawandel entstehen. 

Mit dem Vermeidungskostenansatz werden hingegen die Kosten geschätzt, die die Gesellschaft tragen muss, wenn sie den Klimawandel auf ein bestimmtes Ziel begrenzen, also Treibhausgasemissionen vermeiden will. 

Alle Kostensätze der Methodenkonvention verfolgen das erstgenannte Ziel, die Schäden in monetären Werten zu bestimmen, die der Gesellschaft auf Grund von Umweltbelastungen entstehen. Dem entspricht konzeptionell der Schadenskostenansatz, welcher zur Ermittlung der Kostensätze der Methodenkonvention verwendet wird.

Die Verwendung des Vermeidungskostenansatzes ist hingegen dort angemessen, wo die Menge der zu vermeidenden Umweltbelastungen (z.B. Treibhausgasemissionen) politisch festgelegt wurde und die Kosten der Maßnahmen geschätzt werden sollen, die zur Erreichung dieser Minderungsziele beitragen. 

Transportintensive Produkte werden teurer und die Nachfrage danach wird zurückgehen. Es muss nicht das 20. T-Shirt für 5,00 EUR sein, für dessen Produktion 2.500 l Wasser benötigt werden. 

Quelle: Allianz Schiene

Wird fortgesetzt in Teil 4.