1. Punktforum Leise Mobilität – Lärmbekämpfung in Bestandsanlagen – neue Erkenntnisse und eindrucksvolle Vorträge

Andreas Marx Punktforum Leave a Comment

Das Punktforum Leise Mobilität fand in der Zeit vom 25.-26. April 2017 in Ratingen statt. 35 interessierte Teilnehmer konnten sich eingehend über den aktuellen Stand der Wissenschaft zu den Ursachen von Schall und Erschütterung insbesondere des Kurvenquietschens informieren; kommunale Verkehrsunternehmen gaben Einblicke in bewährte Methoden und Vorgehensweisen aus der Praxis ihrer erfolgreichen Lärmbekämpfung.

Einige Kernpunkte aus den Vorträgen:

 

  • Prof. Dr. Markus Hecht: Das Fahrzeug ist der größte Hebel zur Verbesserung! Quietschursachen: Das vorlaufende Rad an der Bogeninnenschiene quietscht aufgrund des ‘stick-slip-Effekts’. Das bogenäußere, nachlaufende Rad quietscht selten. Ob das Kurvenquietschen oder -kreischen 80 oder 90 dB ausmacht – der Unterschied ist unerheblich, die Beeinträchtigung der Umwelt ist immer zu groß!
  • Viktor Lutz: in Rillenschienenanlagen und Weichen quietschen sogar beide vorlaufenden Räder (bogenaußen und bogeninnen) aufgrund des zusätzlichen Platzbedarfs der eingedrehten Räder. Die Bekämpfung von Lärmursachen erfordert eine streng systematische Vorgehensweise. Dass auch unkonventionelle Lösungen erfolgreich sein können, zeigt sein Beispiel von der VGF in Frankfurt/Main.
  • Dr. Peter Fürst: Nicht die Radscheibe schwingt, sondern die Radreifen – daher machen Absorber nur am Radreifen Sinn, an der Radscheibe können sie zur Entdröhnung dienen.
  • Dr. Jani Dede: Laufflächenoptimierung durch Schmieren erfordert feinste Dosierung – man darf das aufgebrachte Schmiermittel nicht sehen. Es wird überwiegend zu hoch dosiert. Vom Fahrzeug aus ist das Schmieren effizienter als stationär. Stationäre Schienenschmieranlagen stehen als Auslöser für Riffel in Verdacht, da starkes Schmieren eine abrupte Reibwertverringerung erzeugt den die Antriebssteuerung des Fahrzeugs als Schlupf auszugleichen versucht. Sind Riffel erst einmal aufgetreten, lassen sie sich nicht dauerhaft beseitigen, höchstens mindern.
  • Paul Lehmann: Kundenorientierung ist gefordert, da die Anwohner AAA-Kunden der kommunalen Verkehrsunternehmen sind. Straßenbahnlärm ist absolut inakzeptabel! Die Bekämpfung ist für die Bahn in Zukunft existenziell, da leise Elektrobusse den Wettbewerb verschärfen werden. Die Würzburger Straßenbahn hat gute Erfahrung mit Radabsorbern und der von Dr. Dede beschriebenen fahrzeugseitigen Laufflächenoptimierung zur Reduzierung der Schienenkopfrauigkeit.
  • Sebastian Koch: Die BOGESTRA setzt  seit 2012 fahrzeugseitige Wasserschmierung erfolgreich gegen Kurvenquietschen ein. Anwohnerbeschwerden deutlich rückläufig.
  • Markus Fuchsberger: Die Wiener Linien konnten mit dem nachträglichen Einbau von Schienenstegdämpfern die als äußerst unangenehm wahrgenommenen Geräuschanteile bei ca. 1000 Hz wesentlich reduzieren, und so die Anwohner der Neubaustrecke Tokiostraße nachhaltig ‘beruhigen’.
  • Peter Ahrens: Die Rheinbahn hat gute Erfahrungen mit stationären Lösungen, z.B. Schienenkopfbenetzungs- und Flankenschmieranlagen sowie einer neuartigen Schienenstegabschirmung.

Paul Lehmann appelliert in seinem engagierten Vortrag an die Teilnehmer: “Lärm und Erschütterung der Straßenbahnen sind absolut inakzeptabel und gefährden die Zukunft dieses Verkehrsmittels.”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der sogenannte ‘stick-slip-effect’  Bild 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der sogenannte ‘stick-slip-effect’  Bild 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Kurzfassung der Beiträge wird in Verkehr+Technik veröffentlicht.

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